IHK warnt vor Factory Outlet Center Marxloh
Gutachter belegen: Begründungen für Ansiedlung sind fehlerhaft und nicht plausibel / Rückschlag für Duisburgs aufblühende City droht

FOC Duisburg-Marxloh - Bewertung durch Junker und Kruse.pdf (1,36 MB)
„Mit dem Standort Marxloh für ein Factory Outlet Center setzt die Stadt Duisburg definitiv auf das falsche Pferd.“ Das betonte der Hauptgeschäftsführer der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer Duisburg-Wesel-Kleve, Dr. Stefan Dietzfelbinger, am Mittwoch, 23. Juni, in Duisburg vor der Presse. Bestärkt wird die IHK durch ein aktuelles Gutachten des Büros Junker und Kruse Stadtforschung – Planung, Dortmund. Die Kernaussage: Das Konzept eines zweiten Zentrums mit dem FOC in Marxloh und die Analyse hinsichtlich der FOC-Verträglichkeit sind methodisch fehlerhaft und nicht plausibel.
Dietzfelbinger: „Offensichtlich wurden mit den beiden von der Stadt befürworteten Untersuchungen Wunschergebnisse beschrieben. Fakt ist, dass diese aber als Entscheidungsgrundlage für Politik und Verwaltung schlicht unbrauchbar sind.“ So seien bei der Umsatzprognose für das FOC-Vorhaben Teile der Verkaufsfläche nicht berücksichtigt worden. Insgesamt werde die Ausweisung eines zweiten Hauptzentrums lediglich im Rahmen eines Szenarios begründet – ohne Bezug zu den tatsächlichen Duisburger Verhältnissen. Eine tragfähige Begründung für eine Struktur mit zwei Hauptzentren sei daher nicht fachlich begründet, sondern eher politisch.
Wie der Bewertung von Junker und Kruse zu entnehmen ist, sind neben den stadtplanerischen Aspekten auch absatzwirtschaftliche Fehlableitungen festzustellen. So ist die Auswahl der untersuchten Standorte und Zentren im Umfeld Duisburgs in Teilen nicht nachvollziehbar. Vereinzelt zu hoch oder auch zu niedrig angesetzte Bestandsumsätze, je nach Bedarf, und die Einbeziehung einzelner Städte in den Untersuchungsraum, obwohl sie außerhalb der 30-Minuten-Erreichbarkeit liegen, führen in der Summe zu einer Verringerung der möglichen absatzwirtschaftlichen und damit auch möglichen städtebaulichen Auswirkungen.
Ein weiteres Argument der Experten: Der im Einzelhandels- und Zentrenkonzept ermittelte quantitative Entwicklungsbedarf des Duisburger Einzelhandels basiert auf zu geringen Eingangswerten (Zentralitäten) sowie auf fehlerhaft hergeleiteten und überhöhten Zielgrößen. Dabei wird das Ziel, eine Zentralität von 120 Prozent zu erreichen, aus dem Regionalen Einzelhandels- und Zentrenkonzept Westliches Ruhrgebiet und Düsseldorf abgeleitet. Dies ist falsch, da Obergrenzen mit Zielen verwechselt werden und keine Differenzierung nach kurz-, mittel- und langfristigem Bedarf erfolgt. Rückläufige Einwohnerzahlen und damit Kaufkraft führen außerdem dazu, dass die Ergebnisse im Hinblick auf die Zentralitäten schon jetzt nicht mehr aktuell sind.
Duisburger Norden braucht eigenen Ansatz zur Stärkung
Auf der anderen Seite stellt das Büro Junker & Kruse fest, dass eine Zielvorstellung vom zukünftigen zweiten Zentrum völlig fehlt. Bei derart schwierigen räumlichen Ausgangsbedingungen wäre es zwingend notwendig gewesen darzustellen, welche Art und welche Form das neue Zentrum zukünftig haben soll. Die notwendige Stärkung des Duisburger Nordens erfordere stadtteilbezogene Masterpläne für eine Entwicklung von Innen nach Außen.
Durch die Lage innerhalb des Ballungsraums Ruhrgebiet und die in Duisburg bereits realisierten Verkaufsflächenzuwächse bei gleichzeitigen Kaufkraft- und Einwohnerverlusten kann die Ausweisung eines zweiten Hauptzentrums nur zu suboptimalen Ausprägungen in einem oder in beiden Zentren führen. Keines der beiden Zentren könnte die Ausstrahlungskraft eines Oberzentrums erreichen, so das Fazit der Gutachter.
IHK-Hauptgeschäftsführer Dietzfelbinger: „Wir appellieren an den Rat der Stadt, an seinem Beschluss zum Masterplan Innenstadt von Lord Norman Foster festzuhalten. Das ist für Duisburgs Ausbau als Oberzentrum der einzig zukunftsträchtige Weg.“
(23. Juni 2010)


Favorit speichern: