Unternehmensumfrage zum Standort Duisburg

(22. Juli 2015) Der Standort Duisburg überzeugt insbesondere durch seine Verkehrsinfrastruktur, Marktnähe sowie Forschungseinrichtungen und den damit verbundenen Technologietransfer. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer Duisburg-Wesel-Kleve, an der sich über 600 Betriebe beteiligt haben. Kritik üben die Unternehmen an den hohen Standortkosten wie etwa Gewerbesteuern. Außerdem wünschen sie sich eine Entbürokratisierung der Plan- und Genehmigungsverfahren sowie mehr Unterstützung seitens der Verwaltung. In einem Gespräch zwischen IHK, Stadtverwaltung und Wirtschaftsförderung wurden diese Ergebnisse der Befragung nun diskutiert und gemeinsame Handlungsansätze besprochen.

Bei der IHK-Standortanalyse wurden die Unternehmen am Niederrhein zur Qualität von insgesamt 52 verschiedenen Einflussfaktoren und deren Wichtigkeit für ihren Betrieb befragt. Themen waren unter anderem die Verfügbarkeit von Gewerbeflächen, die Steuerentwicklung sowie die Qualität der Beratungs- und Unterstützungsleistungen durch die Wirtschaftsförderung und weitere Einrichtungen. Die Umfrageergebnisse verdeutlichen Stärken und Schwächen des Standortes. Was sind echte Vorteile Duisburgs und wo besteht dringender Handlungsbedarf?

Besonders die verkehrsgünstige Lage an der Schnittstelle zwischen den Absatzmärkten Rhein und Ruhr sowie der schnelle Zugang zu den Weltmärkten über die Seehäfen Antwerpen und Rotterdam wird von den Unternehmen geschätzt. Dieses Leistungsmerkmal gilt es unbedingt zu erhalten. Vor diesem Hintergrund wird für die Unternehmen der Sanierungsstau bei der Infrastruktur zunehmend zu einem Problem. IHK und Stadt werden sich daher gemeinsam gegenüber Bundes- und Landesregierung für mehr Investitionen in den Erhalt und Ausbau der Infrastruktur einsetzen. Ein weiterer Standortvorteil ist aus Sicht des produzierenden Gewerbes die Nähe zu und das breite Angebot von Betrieben, die unternehmensbezogene Dienstleistungen bieten. Positiv bewerten die Unternehmerinnen und Unternehmer auch die namhaften Hochschul- und Forschungseinrichtungen. Die Informations- und Kommunikationsinfrastruktur sowie die Naherholungs- und Freizeitangebote wurden ebenfalls als Pluspunkte genannt.

Weniger gute Noten erhält Duisburg mit Blick auf die Bestandspflege ortsansässiger Betriebe oder Angebote der Wirtschaftsförderung. „Wir nehmen die Sorgen der Unternehmen ernst“, so Oberbürgermeister Sören Link. „Daher haben wir uns bereits auf den Weg gemacht, die Standortbedingungen Duisburgs weiter zu verbessern. Mit der Umstrukturierung der Wirtschaftsförderungsgesellschaft beispielsweise wollen wir den Unternehmen eine bessere Betreuung bieten.“

Weitere Sorgen bereiten den Unternehmen das Image Duisburgs sowie das regionale Standortmarketing. „Die Entwicklung des von IHK und Unternehmerverband initiierten Masterplans Wirtschaft ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung“, so Link. „Wir wollen in diesem Prozess gemeinsam mit der Wirtschaft die Attraktivität Duisburgs für ansässige aber auch interessierte Unternehmen von außerhalb steigern.“ 

Unzufrieden sind die Unternehmen mit der Dauer von Plan- und Genehmigungsverfahren. Der damit verbundene bürokratische Aufwand ist insbesondere für kleinere und mittlere Unternehmen nur schwer zu stemmen. „Die Verwaltung arbeitet daran, die Prozesse weiter zu verbessern. Allerdings müssen auch wir uns an gewisse Richtlinien und Vorgaben halten. Wir versuchen im Rahmen dessen, die Bürokratie auf ein Minimum zu reduzieren und möglichst hohe Transparenz zu schaffen“, sagt Carsten Tum, Leiter des Stadtentwicklungsdezernats in Duisburg. 

Eine weitere Belastung für die Unternehmen sind die stetig steigenden Standortkosten. Gebühren, Abgaben und insbesondere die Realsteuern befinden sich in Duisburg auf einem überdurchschnittlich hohen Niveau. Sowohl die Gewerbe- als auch die Grundsteuer B wurden bereits zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren erhöht. „Die Steuererhöhungen der letzten Zeit schrecken Unternehmen und potenzielle Investoren ab“, so IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Stefan Dietzfelbinger. Für die finanzielle Notlage der Stadt sei eine derartige Steuer- und Abgabepolitik keine Lösung.

Zukunftsorientierter Standortpolitik heißt aus Sicht der IHK auch, ein reiches Portfolio an bedarfsgerechten Flächen zur Ansiedlung oder Erweiterung von Gewerbe und Industrie zur Verfügung zu stellen. Nur so können neue Arbeitsplätze geschaffen werden und Wachstum entstehen. Die IHK appellierte daher an die Stadt, zusätzliche Flächen im teilräumlichen Strategiekonzept für Duisburg auszuweisen.

Oberbürgermeister Sören Link und Dr. Stefan Dietzfelbinger betonten, dass es bei der Förderung des Standortes wichtig sei, dass Politik, Verwaltung und Wirtschaft an einem Strang ziehen. Nur im Zusammenspiel aller Akteure, könne die Region ihre Stärken noch besser ausspielen.

Die Umfrage zur Standortanalyse für den Niederrhein wurde von der Niederrheinischen IHK durchgeführt und durch Prof. Dr. Harald Schoelen, Hochschule Niederrhein, ausgewertet. Der Abschlussbericht steht unter www.ihk-niederrhein.de/Standortanalyse zur Verfügung.

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