Report Außenwirtschaft NRW 2015/2016: NRW weiter Exportland Nr. 2 in Deutschland

  • Erneut Exporte für mehr als 180 Milliarden Euro aus NRW
  • Auslandsinvestitionen auf Rekordniveau
  • Erwartungen für die nächsten 12 Monate verhalten positiv


Mit Exporten von mehr als 180 Milliarden Euro im Jahr 2015 bleibt NRW hinter Baden-Württemberg das exportstärkste Land der Bundesrepublik. Das ist das Fazit des aktuellen Außenwirtschaftsberichts von IHK NRW, dem Zusammenschluss der 16 Industrie- und Handelskammern in NRW. Damit lag der Export trotz teils schwierigerer Bedingungen in wichtigen Abnehmerländern auf dem Niveau des Vorjahres. Der US-Markt hat an Bedeutung gewonnen. Das geplante Freihandelsabkommen TTIP sollte auf sachlicher Ebene diskutiert werden.

2015 war für die Exportwirtschaft kein leichtes: Langjährige Wachstumsmotoren der Weltwirtschaft wie China verloren an Schwung und die Krise in Russland und der Ukraine hatte großen Einfluss auf das internationale Geschäft vieler Unternehmen. Trotz des schwierigen Umfelds konnte die nordrhein-westfälische Wirtschaft ähnlich viel exportieren wie im Vorjahr. „Die Unternehmen in NRW haben es verstanden, ihr Angebot zu diversifizieren und kriselnde Märkte hier durch Wachstumsmärkte dort zu ersetzen“, sagt Dr. Ralf Mittelstädt, Hauptgeschäftsführer IHK NRW. Nordrhein-Westfalen liegt mit seinem Exportumsatz von über 180 Milliarden Euro damit unter den Bundesländern auf Platz zwei. Wachsende Exporte in die USA, das Vereinigte Königreich oder die neuen EU-Mitgliedsstaaten kompensieren die schwache Nachfrage aus anderen Regionen.

Der Export ist für die Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen von fundamentaler Bedeutung: Mit 45,6 Prozent erzielt das verarbeitende Gewerbe fast die Hälfte seines Umsatzes jenseits der deutschen Grenzen. Knapp zwei Drittel davon entfallen auf die traditionellen Bereiche Maschinenbau, chemische Industrie und Metallindustrie. Mit 118 Milliarden Euro gingen rund zwei Drittel der Exporte in die Partnerländer der Europäischen Union, vor allem in die Niederlande (18,3 Milliarden Euro), nach Frankreich (15,5 Milliarden Euro) und Großbritannien (13,9 Milliarden Euro). Insbesondere die Ausfuhren nach Großbritannien entwickelten sich dabei sehr erfreulich und legten um mehr als 14 Prozent zu. „Wenige Wochen vor dem Brexit-Referendum am 23. Juni zeigt sich deutlich, wie wichtig Großbritannien für die EU ist und welche negativen Folgen ein Austritt aus der Währungsunion hätte“, sagt Wulf-Christian Ehrich, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK zu Dortmund und NRW-Federführer Außenwirtschaft bis 2015. Insgesamt stiegen die Exporte in die EU um knapp ein Prozent. Das zeigt, wie wichtig der freie Handel innerhalb Europas für Deutschland und NRW ist.

US-Geschäft wächst, Russland und China schwächeln

Sehr gut entwickelte sich auch das Geschäft mit den USA, die Exporte erhöhten sich um gut 10 Prozent auf 12 Milliarden Euro. Damit setzte sich die positive Entwicklung der vergangenen Jahre fort, deutschlandweit sind die USA im vergangenen Jahr sogar erstmals das wichtigste Einzelexportland geworden. Wie schon in den vergangenen Jahren ging auch 2015 der Handel mit Russland weiter zurück. Exportierten die Unternehmen aus NRW im Jahr 2011 noch Waren im Wert von 5,7 Milliarden Euro nach Russland, lag das Exportvolumen im vergangenen Jahr bei 3,2 Milliarden Euro, was einem Rückgang von 44 Prozent entspricht. Der Export in die Volksrepublik China stagnierte. Nachdem bis 2011 lange Zeit zweistellige Wachstumsraten verzeichnet werden konnten, liegt der Wert der Ausfuhren seither fast unverändert bei gut 10 Milliarden Euro. „Die Volksrepublik China bleibt aber nach wie vor der Schlüsselmarkt in Asien. Die neue Form des qualitativen Wachstums verspricht exzellente Aussichten“, sagt Alexander Hoeckle, Geschäftsführer International und Unternehmensförderung der IHK Köln und aktueller NRW-Federführer Außenwirtschaft.

Positive Erwartungen für Exportgeschäft

Bei den Erwartungen für das Exportgeschäft sind die Unternehmen für die kommenden zwölf Monate überwiegend positiv gestimmt. 27 Prozent der Befragten gehen von steigenden Umsätzen mit ihren ausländischen Handelspartnern aus, zwölf Prozent erwarten geringere Umsätze. Der Saldo von 15 Prozentpunkten liegt höher als in vergangenen drei Halbjahren, im Frühjahr 2014 lag der Wert allerdings bei 23 Prozentpunkten. Besonders positiv sind die Exporterwartungen für die Nordamerika, knapp 35 Prozent der befragten Unternehmen sehen hier bessere Geschäftsaussichten. Schwach sind die Aussichten weiterhin für China und Osteuropa, nur zwischen 15 und 16 Prozent der Befragten sehen hier bessere Perspektiven, rund ein Drittel schlechtere.

TTIP-Diskussion wieder versachlichen

Um ihre Stellung im Export zu verbessern, planen 44,5 Prozent der Unternehmen, ihre Auslandsinvestitionen zu steigern. Damit steigen die Investitionsabsichten im dritten Jahr hintereinander. Aufgrund der stabilen wirtschaftlichen Lage haben die Unternehmen freie Mittel, um ihre direkten Aktivitäten im Ausland auszubauen. Eine hohe Bedeutung misst die nordrhein-westfälische Wirtschaft unverändert dem geplanten Freihandelsabkommen TTIP mit den USA zu. Die hierzulande geltenden hohen Umwelt- und Verbraucherschutzstandards werden nicht infrage gestellt bzw. geändert. IHK NRW empfiehlt deshalb, die Diskussion um TTIP wieder zu versachlichen. Ein besonderes Augenmerk sollte bei den Verhandlungen darauf liegen, das Abkommen für den Mittelstand attraktiv zu gestalten. Denn gerade für kleine und mittlere Unternehmen sind die hohen Hürden beim US-Marktzugang ein Hindernis. Die Unternehmen erwarten insbesondere einen Abbau nichttarifärer Handelshemmnisse (61 Prozent), eine einfachere und transparentere Zollabwicklung (54,6 Prozent) und bessere Ursprungsregeln (51,2 Prozent).

Der Report Außenwirtschaft NRW 2015/2016 steht Ihnen im unteren Download-Bereich zur Verfügung.

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