Realsteuerhebesätze am Niederrhein

Standortfaktor Steuern


In den nordrhein-westfälischen Kommunen wird weiterhin an der Steuerschraube gedreht. Wie bereits in 2015 erhöhte in 2016 rund jede dritte Kommune die Gewerbesteuer und sogar jede zweite die Grundsteuer B. Das zeigt die Erhebung der Realsteuerhebesätze durch die Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen. 


Weitere Steuererhöhungen gab es auch am Niederrhein. Zusammengenommen wurde in den 30 Städten und Gemeinden um die Stadt Duisburg, Kreis Wesel und Kreis Kleve 12 Mal die Gewerbesteuer und 17 Mal die Grundsteuer B angehoben. In Duisburg und Neukirchen-Vluyn wurde die Gewerbesteuer das dritte Mal in Folge erhöht. So auch in Kranenburg - hier waren die Erhöhungen jedoch stets einer Anpassung an die fiktiven Hebesätze des Landes NRW geschuldet. Dass die Grundsteuer B tendenziell häufiger und von einer höheren Anzahl an Kommunen erhöht wird als die Gewerbesteuer hängt u.a. damit zusammen, dass die Einnahmen aus der Gewerbesteuer stärker Konjunkturschwankungen unterworfen und somit weniger verlässlich sind.

In 47 der 135 NRW-Kommunen, die in 2016 den Gewerbesteuerhebesatz angehoben haben, erfolgte mit der Erhöhung eine Anpassung an den gestiegenen fiktiven Hebesatz des Landes NRW. Im Falle der Grundsteuer B war dies bei 36 von 183 Kommunen der Fall. Liegt der Hebesatz einer Kommune unterhalb des fiktiven Hebesatzes, erhält sie geringere Mittel aus dem kommunalen Finanzausgleich, da ihr eine höhere Steuerkraft unterstellt wird, als sie tatsächlich besitzt. Um keine geringeren Zuweisungen zu erhalten, passen die meisten Kommunen ihre Hebesätze daher an die des Landes an. Das Problematische daran ist, dass sich der fiktive Hebesatz aus den tatsächlichen Hebesätzen der NRW-Kommunen aus zurück liegenden Jahren berechnet. Fiktiver Hebesatz und tatsächliche Hebesätze treiben sich somit gegenseitig immer weiter in die Höhe.

Im Downloadbereich steht Ihnen zusätzlich die Auswertung des DIHKs zu den Hebesätzen der Gewerbesteuer und Grundsteuer B in deutschen Gemeinden mit mehr als 20.000 Einwohnern zur Verfügung.

[Hebesatzbroschüre 2015]
 

[Hebesatzbroschüre 2016]

Bildnachweis: Daten gemäß Umfrage der nordrhein-westfälischen Industrie- und Handelskammern, Landesbetriebes für Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW). (von oben links nach unten rechts)

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Grund- und Gewerbesteuer

Grund- und Gewerbesteuer stellen eine wichtige kommunale Einnahmequelle dar. Die Gemeinden legen hierzu jährlich die so genannten Realsteuerhebesätze fest. Für Unternehmen sind sie ein bedeutender Kostenfaktor. Je niedriger sie sind, desto attraktiver ist der Standort. Die Gewerbesteuer hat insbesondere durch die Unternehmensteuerreform 2008 eine Aufwertung erfahren, so dass das Hebesatzniveau noch stärker als zuvor die steuerliche Gesamtbelastung der Unternehmen beeinflusst. Ab 2008 entfällt die Abzugsfähigkeit der Gewerbesteuer als Betriebsausgabe; zugleich wurde jedoch die Anrechnung auf die tarifliche Einkommensteuer erhöht sowie die Gewerbesteuermesszahl abgesenkt. Ausgangsbasis der Gewerbesteuerveranlagung ist der für die Körperschaftsteuer beziehungsweise die Einkommensteuer ermittelte Gewinn aus Gewerbebetrieb, der um gesetzlich bestimmte Kürzungen und Hinzurechnungen ergänzt wird. Die Grundsteuer zählt, wie die Gewerbesteuer zu den Real- oder Objektsteuern. Sie ist differenziert in eine Grundsteuer A für alle land- und forstwirtschaftlich genutzten Grundstücke und in eine Grundsteuer B für alle übrigen Grundstücke. Die Grundsteuer unterscheidet sich von der Gewerbesteuer dadurch, dass sie wegen ihrer einheitswertabhängigen Bemessungsgrundlage keinen konjunkturellen Schwankungen unterliegt. Sie ist damit eine fest kalkulierbare Steuergröße.