Ergebnisse der IHK-Verkehrsumfrage zur Infrastruktur

(30. August 2013) Deutlich höher als im Landesdurchschnitt schätzt die Wirtschaft im Bezirk der Niederrheinischen IHK die Bedeutung von Güterschienenverkehr und Binnenschifffahrt ein. Das ist eines der Ergebnisse aus der NRW-weiten Umfrage der IHKs, die am Freitag, 30. August, veröffentlicht wurden. Weitere wichtige Erkenntnis: Einrichtung und Verschärfung der Umweltzone treffen unmittelbar rund 40 Prozent der Betriebe. Insgesamt sehen sie Gefahren für den Wirtschaftsstandort durch die schlechte Infrastruktur.


Wie es in der Auswertung der IHK weiter heißt, sind am Niederrhein für 40 Prozent der befragten Unternehmen die Schifffahrtswege von großer Bedeutung, landesweit nur für rund 19 Prozent. Sogar 20 Prozent der Befragten zwischen Duisburg und Emmerich und der niederländischen Grenze gehen davon aus, dass die Bedeutung in den kommenden fünf Jahren steigen wird. In ganz NRW sind es nur sieben Prozent.


Auch bei der Schiene ist deutlich erkennbar, dass der Niederrhein für Nordrhein-Westfalen die Logistikdrehscheibe ist. 19 Prozent erwarten hier, dass die Bedeutung dieses Verkehrsträgers für ihr Unternehmen weiter zunehmen wird. Landesweit sind es nur 13 Prozent. IHK-Geschäftsführer und Verkehrs- und Logistikexperte Ocke Hamann: „Dies ist ein klares Zeichen dafür, dass die Unternehmen am Niederrhein von weiter steigenden Gütermengen, insbesondere im Hinterland der Seehäfen Antwerpen und Rotterdam, ausgehen.“


Eine große Rolle spielt für die IHK-Mitgliedsunternehmen laut Umfrageergebnis auch weiterhin das Thema „Umweltzone“. So sind rund 40 Prozent der befragten Betriebe durch die Einführung und Verschärfung der Umweltzone unmittelbar betroffen. 30 Prozent mussten Fahrzeuge neu beschaffen oder nachrüsten. Viele Unternehmen, insbesondere kleinere und mittlere, fürchten weitere unverhältnismäßig hohe Belastungen, wenn ab Juli 2014 im Ruhrgebiet für alle Fahrzeuge nur noch die grüne Plakette gilt.


Massive Kritik wurde in der landesweiten Umfrage auch in Bezug auf den maroden Zustand der Verkehrsinfrastruktur, insbesondere der Straßen, geäußert. Durch die Vernachlässigung von Instandhaltung und Ausbau sieht die Wirtschaft die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes gefährdet. So wurde der Zustand der Autobahnen von über 50 Prozent der befragten Unternehmen als nicht zufriedenstellend beurteilt. Mit den Landesstraßen sind sogar fast 60 Prozent unzufrieden.


„Für uns ist das ein deutliches Signal, dass die Wirtschaft angesichts der maroden Verkehrswege mehr Verantwortungsbewusstsein der Politiker erwartet“, so Hamann. Es müsse erheblich mehr in Straße, Schiene und Wasserweg investiert werden. Weiterer Kritikpunkt: „Bei Reparatur und Ausbau wird viel zu oft nach Haushaltslage entschieden und zum Beispiel nicht danach, welcher Zeitpunkt der richtige ist“, so der IHK-Verkehrsexperte.


Aus wachsender Sorge um den Wirtschaftsstandort kann sich laut landesweiter Umfrage sogar ein Großteil der Unternehmen eine Ausweitung der Lkw-Maut oder die Einführung einer Pkw-Maut vorstellen – aber nur, wenn die eingenommenen Mittel ausschließlich der Infrastruktur zufließen. „Dass Teile der Unternehmerschaft grundsätzlich eine Mautausweitung hinnehmen würden, zeigt, wie schlimm es um die Verkehrswege bestellt ist. Dies ist auf keinen Fall ein Freibrief für die Politik zur Erhöhung von Abgaben oder Steuern“, mahnt Hamann.

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