IHK warnt vor Factory Outlet Center

(4. Juli 2016) Die Überlegung, ein Factory Outlet Center (FOC) auf dem Güterbahnhofsgelände südlich des Hauptbahnhofs anzusiedeln, stellt ein erhebliches Risiko für die Belebung der Duisburger Innenstadt dar, warnt die Niederrheinische Industrie- und Handelskammer Duisburg-Wesel-Kleve. Die Diskussion um diesen Standort würde erneut über Jahre zu großer Unsicherheit bei Einzelhändlern und Investoren führen und die Entwicklung der City aufs Abstellgleis führen. Daher hat sich die Niederrheinische IHK an die Fraktionsvorsitzenden im Duisburger Stadtrat gewandt.

Die aktuelle Diskussion um die Ansiedlung eines FOC auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände hält IHK-Geschäftsführer Michael Rüscher für ein falsches Signal: „Die Duisburger City würde von der Ansiedlung erheblichen Schaden erleiden.“ Das Gelände des Güterbahnhofes ist circa 1,5 Kilometer von der Königsstraße entfernt, 2,5 Kilometer zur Altstadt, und damit städtebaulich isoliert. Kunden werden diese Distanz kaum akzeptieren und nicht nach einer Shoppingtour im FOC die Innenstadt besuchen. Die Ansiedlung des Centers würde daher die Kaufkraft aus der City abziehen. Hinzukommt, dass das neue Angebot die verhältnismäßig hohe Kaufkraftbindung der Innenstadt deutlich zu verringern droht. Laut einer Befragung der Kunden im Stadtbezirk Mitte, kaufen 70 Prozent der dort lebenden Menschen ihre Kleidung vor Ort.

Innenstadt als Visitenkarte der Stadt entwickeln

Die ausbleibenden Kunden hätten eine Erhöhung der Leerstandsquote zur Folge und eine negative Entwicklung der City insgesamt. Damit würden sämtliche Bemühungen, den Innen- und Altstadtbereich aufzuwerten, konterkariert. „Wir hatten angenommen, dass sich die Politik nach dem Aus für das FOC in Hamborn darauf besinnen würde, die Entwicklung der Innenstadt verstärkt in den Fokus zu nehmen, um sie als zentralen Handelsstandort und Visitenkarte der Stadt zu fördern“, zeigt sich Rüscher enttäuscht.

Befürworter der FOC-Planungen führen an, das Center würde Sortimentslücken in der Duisburger Innenstadt ausgleichen können und das Angebot in der City sinnvoll ergänzen. Laut einer aktuellen Kundenzufriedenheitsanalyse werden aber vor allem „qualitativ hochwertige Waren“ vermisst. „Wer glaubt, dass mit dem Bau eines FOCs bestehende Angebotslücken zum Beispiel im Bekleidungssegment geschlossen würden, der irrt. Dort werden Auslaufmodelle, Zweite-Wahl-Produkte und Überschussproduktionen verkauft. Wer etwa einen hochwertigen Herrenanzug kaufen will, der wird in einem FOC nicht unbedingt fündig werden“, so Rüscher.

Einsatz von Steuergeldern entwertet

Die FOC-Planung steht im inhaltlichen Widerspruch zum Integrierten Handlungskonzept Innenstadt (IHI). Finanzielle und personelle Ressourcen, die zur Erarbeitung des IHI und für die Einstellung der Altstadtmanager eingesetzt wurden, würden ebenso entwertet werden, wie der Einsatz von Städtebaufördermitteln und damit von Steuergeldern zur Umsetzung des Konzeptes. Außerdem muss geklärt werden, ob der Bau eines FOCs planungsrechtlich möglich ist. Denn ein solches Vorhaben ist an die Ausweisung eines zentralen Versorgungsbereichs gekoppelt, an den hohe Anforderungen gestellt werden.

Anstelle der FOC-Planung sollte die verkehrsgünstige Lage des Güterbahnhofsareals besser genutzt werden: „Der Standort wäre prädestiniert für Wohnungen und Büros. Denn Düsseldorf platzt wegen der steigenden Bevölkerungszahl aus allen Nähten und die Büronachfrage in Duisburg kann kaum noch bedient werden“, schlägt Rüscher vor.
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