Bundesverkehrswegeplan 2015 in Arbeit / IHK bezweifelt aktuelle Prognosen zur Entwicklung des Güterverkehrs

(3.Dezember 2013) Die Niederrheinische IHK bezweifelt die aktuellen Güterverkehrsprognosen für den Bundesverkehrswegeplan 2015 und befürchtet negative Folgen für die Verkehrsinfrastruktur an Rhein und Ruhr. Der auch für die Logistikregion Niederrhein zukunftsweisende Plan berücksichtige nicht die tatsächliche Entwicklung in den Seehäfen Antwerpen und Rotterdam. IHK-Geschäftsführer und Verkehrsexperte Ocke Hamann: „Es wäre fatal, wenn für die Region wichtige Projekte aufgrund falscher Annahmen auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben würden.“


Der Bundesverkehrswegeplan 2015, der derzeit erstellt wird, ermittelt den Bedarf an Infrastrukturmaßnahmen bis zum Jahr 2030. Er enthält nach jetzigem Stand über 3000 konkurrierende Projekte. Entscheidend bei der Frage, ob ein Projekt in Zukunft realisiert wird oder nicht, ist die Prognose zur Verkehrsentwicklung in einer bestimmten Region. Allerdings führt eine verzerrte Datenlage zwangsläufig zu einer fehlerhaften Einschätzung. Dass genau dies – und zwar mit negativen Konsequenzen für den Niederrhein – erfolgt sei, dafür spricht laut IHK vor allem, dass die Wachstumsraten für die Häfen in Hamburg und Bremen deutlich höher kalkuliert wurden als für Rotterdam und Antwerpen. Die Prognose sei im Vergleich zu den in der Vergangenheit erhobenen Zahlen widersprüchlich und deshalb in Zweifel zu ziehen.


Das Güterverkehrsaufkommen in den Nachbarländern sei mitentscheidend für die Entwicklung in Nordrhein-Westfalen und damit auch für den Bedarf an Infrastrukturmaßnahmen. Ein Großteil der Verkehre werde nämlich über Umschlagzentren wie den Duisburger Hafen oder DeltaPort verteilt, und das nicht nur am Niederrhein, sondern auch im Rheinland, im Ruhrgebiet und darüber hinaus. Hamann: „Die Prognose könnte Verkehrsprojekte in Nordrhein-Westfalen wie beispielsweise den ,Eisernen Rhein‘ gefährden.“


Außerdem sind Maßnahmen an den Bundesautobahnen A3, A40, A57 und A59 betroffen, denn diese stehen aktuell im Bundesverkehrswegeplan zur Entscheidung an. Aber nicht nur das: Auch auf künftige Gutachten, wie beispielsweise zur Förderung von Containerterminals oder zur Instandhaltung von Verkehrsknotenpunkten, würden sich die Daten auswirken. Das Land NRW müsse deshalb grundsätzlich dafür Sorge tragen, dass Prognosen mit den Niederlanden und Belgien abgestimmt werden, so Hamann.


Auch in den Niederlanden wundert man sich darüber, dass sich die Wachstumsprognose für die Häfen so stark verändert hat. „Dieser deutliche Unterschied ist doch sehr fragwürdig“, so Mathijs Verhagen, Manager im Deutschlandbüro des Hafens Rotterdam. „Wir haben den Eindruck, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird und auch die aktuelle Marktentwicklung außen vorbleibt.“ Denn anscheinend sei in der Prognose für Hamburg die bislang keineswegs gesicherte Elbvertiefung berücksichtigt worden – im Gegensatz zum längst erfolgten Ausbau der „Maasvlakte 2“, mit dem die Fläche des Hafens in Rotterdam um etwa ein Fünftel vergrößert wurde.


Zum Hintergrund: Nach der dem Bundesverkehrswegeplan zugrunde liegenden Seeverkehrsprognose wird der Umschlag in den deutschen Seehäfen von 2010 bis 2030 um 74 Prozent steigen. Während für Hamburg mit einem jährlichen Plus von 3,2 Prozent gerechnet wird, liegt das prognostizierte Wachstum für Rotterdam mit 1,6 Prozent und für Antwerpen mit 2,2 Prozent deutlich darunter. Zum Vergleich: Von 2001 bis 2010 lag die durchschnittliche Wachstumsrate in Hamburg bei 2,6 Prozent jährlich, in Rotterdam und Antwerpen dagegen bei 3,3 beziehungsweise 3,8 Prozent.

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