IHK-Konjunkturumfrage für den Frühsommer

(5. Mai) Die Unternehmen am Niederrhein sind in einer wirtschaftlich guten Verfassung – vor allem Handel und Dienstleistungssektor zeigen sich zuversichtlich. In der Industrie hellt sich nach einer verhaltenen Phase zu Jahresbeginn langsam die Stimmung auf. Dies geht aus der aktuellen Umfrage der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer Duisburg-Wesel-Kleve unter 312 Unternehmen mit über 47.000 Beschäftigten hervor. IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Stefan Dietzfelbinger: „Der Konjunkturmotor läuft rund. Man darf aber nicht die Augen davor verschließen, dass die gute Entwicklung vor allem auch auf dem niedrigen Ölpreis, dem schwachen Euro und historisch niedrigen Zinsen beruht.“

Laut IHK-Umfrage beschreiben 39% der Handelsunternehmen und 35% der Dienstleistungsbetriebe ihre Lage als „gut“. Hingegen vergeben nicht einmal 10% das Prädikat „schlecht“. Anders das Bild in der hiesigen Industrie: Hier sank der Anteil der zufriedenen Unternehmen von 31% auf 26%. Zwar sehen sich gleichzeitig 18% der Produktionsbetriebe in einer schlechten Lage (Jahresbeginn: 16%), jedoch haben sich die Erwartungen an die künftige Geschäftslage spürbar verbessert: Während die Zahl der Pessimisten zuletzt noch die der Optimisten übertraf (22:16), gehen aktuell wieder mehr Unternehmen von einer zukünftig besseren (19%) statt schlechteren (14%) Lage aus. Der Konjunkturklimaindex, der die gegenwärtige Situation und zukünftige Erwartungen aller Branchen zusammenfassend widerspiegelt, stieg auf 115 Punkte (Jahresbeginn: 110).

Exporterwartungen: Tendenz verhaltener

Nach einem schwachen Jahresbeginn haben die Exporte zuletzt wieder deutlich zugelegt. Anziehende Auftragseingänge aus dem Ausland lassen erwarten, dass sich dieser Trend auch in den kommenden Monaten weiter fortsetzt. Dennoch sind die Erwartungen der Unternehmen am Niederrhein gebremst. 23% der Befragten gehen von weiter steigenden Ausfuhren aus. Mit einem Rückgang rechnen hingegen 17% (Jahresbeginn 25:13). Die Stimmung der Unternehmen wird offensichtlich durch die weiterhin mit Unsicherheiten behaftete Lage in der EU, das verlangsamte Wirtschaftswachstum in China und die Entwicklung in Russland getrübt.

Inlandsinvestitionen: Weiterhin Zurückhaltung

Wie die Ergebnisse der IHK-Umfrage weiter verdeutlichen, sind von den Investitionstätigkeiten der Unternehmen kaum Wachstumsimpulse zu erwarten. Der Anteil derer, die ihre Investitionen ausbauen beziehungsweise reduzieren wollen, hält sich in etwa die Waage (21:18%). Sowohl der Handel als auch der Dienstleistungssektor haben ihre dahingehenden Absichten nach unten korrigiert. Die Investitionsbereitschaft der Industrie hat hingegen zugenommen: Während zu Jahresbeginn noch knapp ein Drittel (31%) angab, den Rotstift ansetzen zu wollen, beabsichtigt dies aktuell nur noch ein Fünftel (20%). Der Anteil derer, die mit steigenden Ausgaben rechnen, liegt bei 26% (Jahresbeginn: 17%). Die vordringlichen Gründe hierfür sind Ersatzbeschaffungen (76%), Rationalisierungsmaßnahmen (30%), sowie Kapazitätserweiterungen (25%).

Beschäftigung: Dienstleistungssektor mit Impulsen

Die Beschäftigungssituation am Niederrhein bleibt stabil. Die Mehrheit der Befragten (67%) will die Anzahl ihrer Mitarbeiter konstant halten. 19% der Betriebe planen Neueinstellungen. Damit wird die Zahl der Betriebe, die Arbeitsplätze abbauen wollen (14%), jedoch nur unwesentlich übertroffen. Bei den Dienstleistungsunternehmen wollen 22% in den kommenden Monaten zusätzliches Personal einstellen. 9% gehen von einem Rückgang der Beschäftigung aus.

Risiken: Sorgen um Währungsentwicklung

In den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen sehen die Unternehmen nach wie vor das größte Geschäftsrisiko (51%), gefolgt von den Arbeitskosten (40%). Als immer größeres Risiko wird die Wechselkursentwicklung wahrgenommen. Fast doppelt so viele Unternehmen wie zu Jahresbeginn (19%) erwarten, dass diese den weiteren Geschäftsverlauf negativ beeinflussen könnte (Jahresbeginn: 10%). Allen voran die Industrie: Hier sprechen sogar 31% von einem Risiko. IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Stefan Dietzfelbinger: „Die gute Verfassung vieler Unternehmen ist eine Momentaufnahme. Wir müssen sehr genau beobachten, wie sich der Mindestlohn, auch in Verbindung mit dem zusätzlichen Bürokratieaufwand, und die Rente mit 63 auswirken, vor allem, wenn der Konjunkturmotor anfängt zu stottern.“

Konjunkturreport Niederrheinische IHK - Frühsommer 2015 (1,27 MB)

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