Bedeutende historische Unternehmerpersönlichkeiten vom Niederrhein

Die Wirtschaftsgeschichte des Niederrheins ist geprägt von bedeutenden Unternehmerpersönlichkeiten, die innovativ und mit großem wirtschaftlichen Erfolg ihre Betriebe leiteten, die Wirtschaftsorganisationen beeinflussten und sich zugleich für das Gemeinwohl engagierten. Eine wichtige Rolle spielten Familien, die Unternehmen gründeten, sich mit anderen Unternehmern geschäftlich sowie verwandtschaftlich verbanden und die über Generationen hinweg auch für den sozialen Zusammenhalt der Region wirkten.

Der nachfolgende Überblick über die Unternehmer vom Niederrhein und ihre Familien zeugt von einer breiten Schicht innovativer Köpfe, die die günstigen Standortbedingungen ökonomisch nutzten und die Region damit befruchteten. Die Aufzählung ist nicht vollständig, aber sie zeigt deutlich, wie vorbildhaft Unternehmer am Niederrhein wirkten.

Familie Carstanjen

Einige der kreativen Köpfe, die sich unternehmerisch am Niederrhein betätigten, stammen nicht ursprünglich aus der Region, sondern wanderten zu. Die Familie Carstanjen zum Beispiel zog in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts hinzu. Zunächst als Rheinschiffer in Ruhrort tätig, begann mit Martin Carstanjen die Kaufmannstradition. Er rief 1752 am Duisburger Knüppelmarkt ein Kolonialwaren- und Tabakgeschäft ins Leben, in dem später auch Tabak verarbeitet wurde. Im 19. Jahrhundert diversifizierten die Unternehmer Carstanjen ihr Geschäft, so 1835 mit der Gründung einer Zuckerraffinerie in Köln, und verbanden sich über eine Ehe mit den Zuckerfabrikanten vom Rath.

Familie vom Rath

Die Familie vom Rath war Mitte des 18. Jahrhunderts aus dem Bergischen Land an den Niederrhein gekommen. Die Brüder Johann Wilhelm und Johann Jacob vom Rath (der erste Präsident der Handelskammer Duisburg) begannen 1822 mit der Verarbeitung des importierten Rohzuckers und legten den Grundstein für ein weit verzweigtes Zuckerimperium.

Familie Böninger

Die Duisburger Geschichte wäre nur halb erzählt, wenn der Name Böninger fehlte. Am Anfang des 17. Jahrhunderts gründete Peter Böninger seine Lebensmittelhandlung, die in den folgenden Jahrzehnten zu einem Großhandelsgeschäft heranwuchs, das mit Tabakhandel Geld verdiente. Ende des 18. Jahrhunderts begann Böninger mit der Tabakfabrikation, die zum Ruhm des Hauses beitrug, so dass 1811 bei Arnold Böninger sogar Napoleon höchstpersönlich zum Frühstück einkehrte. Familienmitglieder wanderten nach Amerika aus, unter „Brothers Böninger“ wurde seit 1840 in Baltimore Tabak eingekauft.

Familie Haniel

Die Familie Haniel begann ursprünglich mit einem Wein- und Speditionshandelsgeschäft in Ruhrort. 1800 hatte sich Franz Haniel mit einem Kohlenhandelsgeschäft selbstständig gemacht. Er kam so in Kontakt zu Hüttenwerken, die er mit seinem Bruder und dem Schwager Jacobi 1805 erwarb. 1808 kauften sie mit einem weiteren Schwager Huyssen die Gutehoffnungshütte in Sterkrade, die zur Keimzelle eines großen Stahlkonzerns heranwuchs. Auch eine Maschinenfabrik gehörte dazu: Auf seiner Ruhrorter Werft baute Haniel das erste deutsche Dampfpassagierboot, das 1830 vom Stapel lief. Wenig später wurden eiserne Dampfschiffe produziert, die der Hanielsche Kohlenhandel als Transportschiffe einsetzte. Haniel wurde zum Pionier des Steinkohlenbergbaus, da er 1834 mit dem Durchstoß der Mergelschicht den Abbau der Fettkohle anging. War sein eigenes Wagnis auch wenig erfolgreich, so setzte er doch Maßstäbe für den Massenabbau der Kohle im Schachtverfahren und die Nordwanderung in das Emschergebiet. Am linken Niederrhein war Haniel erfolgreicher: Auf seinem Gut bei Homberg stieß er 1854 in 174 Metern unter der Erde auf ertragreiche Fettkohle. Damit war der Beginn der Zeche Rheinpreußen gelegt, deren Förderung der Gründer jedoch nicht mehr erlebte.

Familie Bicheroux

Aus Belgien kam die Familie Bicheroux über Eschweiler, wo das Stammwerk der späteren Phoenix AG für Bergbau und Hüttenbetrieb gegründet wurde. Lambert Bicheroux errichtete 1855 auf dem Hochfeld neben der Niederrheinischen Hütte ein Walzwerk. Zehn Jahre später gründete er in Duisburg-Neudorf ein Puddel- und Blechwalzwerk.

Familie Thyssen

In der Nachbarschaft entstand ein Bandeisenwalzwerk, an dem sich die Söhne und Schwiegersöhne von Bicheroux gemeinsam mit August Thyssen beteiligten. Dieser wurde dort kaufmännischer Leiter, seine Schwester heiratete den jüngsten Bicheroux-Sohn. Thyssen machte sich später in Mülheim selbstständig, die Bicheroux-Werke wurden 1890 zur Duisburger Eisen- und Stahlwerke AG. Der aus Eschweiler bei Aachen stammende Thyssen prägte zwischen Ruhrort und Walsum das Rheingebiet. Nachdem er die Verbindung mit Bicheroux gelöst hatte, ging er zunächst nach Styrum und begann dort die Bandeisenproduktion.

Seit 1883 engagierte sich Thyssen bei der Gewerkschaft Deutscher Kaiser, die einen Bergwerksbesitz von 10,5 Millionen Quadratmeter in Hamborn besaß. In Bruckhausen entstanden ein Hochofenwerk, Stahlwerke und Walzwerke.

Familie Krupp

1896 begann ein anderer Industriepionier mit dem Bau eines bedeutenden Stahlwerkes: Friedrich Alfred Krupp hatte sich entschlossen, die 1872 erworbene Johannishütte in Duisburg nicht zu erweitern, sondern neu und größer zu errichten. Für diesen Zweck kaufte er Grundstücke in Rheinhausen, wo 1897 in der „Friedrich-Alfred-Hütte“ die ersten beiden Hochöfen angeblasen wurden.

Familien Harkort und Keetman

Aus Stahl wurden Brücken gebaut – Johann Caspar Harkort machte Duisburg als Herkunftsbezeichnung weltberühmt. Er erwarb 1860 am Hochfeld ein Grundstück zum Bau einer Brückenbauanstalt. Bereits die ersten Aufträge waren so erfolgreich, unter anderem die zweigleisige Eisenbahn großbrücke über den Rhein bei Koblenz, dass von nun an Brücken für Europa, Asien und Afrika produziert wurden. Das Werk wurde später von der Demag AG übernommen, ebenso wie die Maschinenbaufabrik von Bechem & Keetman, deren letztgenannter Gründer Theodor Keetman zu den Pionieren des Maschinenbaus gehört.

Familie von Gimborn

Dies galt auch für Theodor von Gimborn aus Emmerich, der 1868 die erste Kaffeeröstmaschine an das befreundete Kaffee-Import- und Großhandelsunternehmen Lensing & van Gülpen lieferte und mit diesem ein gemeinsames Unternehmen gründete. Sein Sohn Carl von Gimborn nannte das Unternehmen 1959 Probat-Werke.

Familie Curtius

Ein weiterer Wirtschaftszweig ist seit über 175 Jahren am Niederrhein heimisch. 1824 gründete der aus Goch stammende Friedrich Wilhelm Curtius in Duisburg eine Schwefelsäurefabrik. Bereits sechs Wochen nach Antrag hatte die Stadtverwaltung dem Ansinnen des ausgebildeten Apothekers und Kaufmanns stattgegeben. Er gründete weitere Unternehmen der Chemie in Duisburg, unter anderem die Sodafabrik Matthes & Weber, die auf Initiative von Curtius entstand. Sohn des Mitgründers war Julius Weber, der es verstand, zehn Schwefelsäureproduzenten, die zwischen Ludwigshafen und Duisburg am Rhein ansässig waren, zu der Errichtung des Gemeinschaftsunternehmens Duisburger Kupferhütte zwecks Kupferextraktion aus spanischen Schwefelkiesen zu vereinigen. Auch eine Reihe anderer Unternehmen verdankt dem rastlosen Unternehmer die Gründung. Der Ehrenbürger Duisburgs war 40 Jahre lang Mitglied der Vollversammlung der Handelskammer und zeitweise ihr Präsident.

Familie Grillo

Ebenso erfolgreich war Wilhelm Grillo, der 1849 gemeinsam mit seinem Schwager Daniel Morian in Neumühl ein Zinkwalzwerk und 1879 in Hamborn eine Zinkhütte errichtete. Ein weiteres Werk entstand in Oberhausen. 1919 wurde der Firmensitz von seinen Nachfahren nach Hamborn verlegt: Die Familie blieb in der inzwischen in eine Aktiengesellschaft umgewandelten Firma tätig.

Familie Sachtleben

Der Chemiker Dr. Rudolf Sachtleben war bereits seit einigen Jahren im braunschweigischen Schöningen Inhaber einer Fabrik zur Herstellung des Weißfarben-Grundstoffes Lithopone. 1892 verlegte er das Werk nach Homberg. Der günstige Standort – Kohle kam vom benachbarten Steinkohlenbergwerk Rheinpreußen, das Restprodukt „Purpurerz“ wurde an die Rheinhausener Krupp-Hütte veräußert – ließ das Unternehmen schnell wachsen. 1906 wurde die Gewerkschaft Sachtleben in den Firmenverbund eingeführt. Die Sachtleben AG wurde 1972 mit der Metallgesellschaft verschmolzen, der Name lebte in der Chemiesparte in Homberg fort.

Familien Hitzbleck und Trapp

Im Alter von 24 Jahren errichtete Karl Hitzbleck in Duisburg ein Baugeschäft, das viele markante Bauten in den ersten Jahrzehnten seines Bestehen schuf: Stadthaus, Mercator-Gymnasium, Christuskirche. Hinzu kamen viele Industriebauten. Ende der 1920er Jahre gründete Hitzbleck zudem die Wohnungsbau AG zur Linderung der Wohnungsnot. Wie die Firma Hitzbleck ist auch das Unternehmen von Friedrich Carl Trapp, 1872 in Wesel gegründet, am Markt tätig. Der Gründer kam von der Mosel und baute als Bauführer der Köln-Mindener Eisenbahngesellschaft eine Eisenbahnbrücke über den Rhein im Zug der Strecke Wesel-Venlo. Die Verbindung in Ausland riss nicht ab – von je her war Trapp international tätig.

Familien Küppers und Underberg

Doch nicht nur in der Großindustrie sind erfolgreiche Unternehmerfamilien über Jahrzehnte aktiv. Max Küppers, jahrelanger Repräsentant der Weseler Industrie in der IHK, entstammte einer alten Homberger Müller- und Reederfamilie. Über 50 Jahre lang war er geschäftsführender Gesellschafter der Firma Hülskens & Co. Auf dem Gebiet des Wasserbaus setzte Küppers Maßstäbe. Dem elterlichen Unternehmen, die Mühlenwerke Küppers & Werner, war er lange Jahre als Beiratsvorsitzender verbunden. Ebenfalls im Kreis Wesel (Rheinberg) ist das im Jahr 1846 von Hubert Underberg gegründete gleichnamige Familien-Unternehmen tätig. Mit viel Geschick und Einfallsreichtum gelang es dem Firmengründer seinerzeit, sich gegen viele Nachahmer durchzusetzen, die sich an den Erfolg seines Kräuterlikörs anhängen wollten. Auf den Gründer geht auch die Einwicklung der Flaschen in Strohpapier zurück: Sein Enkel Emil Underberg hatte im zehnten Jahrzehnt der Unternehmensgeschichte die Idee, die Flaschen in Portionsgröße anzubieten. Heute wird das weltweit bekannte Unternehmen in der 4. und 5. Generation geleitet.

Familien König und Diebels

1858 errichtete der Westfale Theodor König in Duisburg-Beeck seine „Bairische Bierbrauerei Th. König“, die zueiner der größten Braustätten in der späteren Bundesrepublik heranwuchs und in deren Leitung über Generationen Familienmitglieder tätig waren. Gleiches gilt für die Privatbrauerei Diebels, DeutschlandsDeutschlands führende Altbierbrauerei, die 1878 von Josef Diebels in Issum gegründet wurde.

Familien Lehnkering, Welker und Schroers

Pioniere des Transportwesens waren Carl Lehnkering (l.), der bereits im 19. Jahrhundert mehrere Filialen einrichtete, Johann W. Welker, der 1929-44 der IHK als Präsident vorstand, und Karl Schroers, der 1880 im Alter von 22 Jahren eine Reederei gründete. Sein erstes Schiff fuhr von Ruhrort nach Rotterdam.

Familie Spaeter

Auch bedeutende Händler waren am Niederrhein tätig. Der gebürtige Thüringer Carl Spaeter war zunächst in einer Koblenzer Firma als Teilhaber tätig, die er seit den 1860er Jahren zu bedeutenden Stahl- und Eisenhandel ausbaute. Als Präsident der Handelskammer Koblenz war Spaeter auch maßgeblich an der Kanalisierung der Mosel beteiligt. 1897 eröffnete er eine Zweigniederlassung in Duisburg, die von seinem Mitarbeiter in Koblenz, Peter Klöckner (s. u.), geleitet wurde.

Familie Klöckner

Peter Klöckner, Sohn eines Koblenzer Werftbesitzers, gründete 1906 eine eigene Eisenhandelsfirma unter seinem Namen. Er diversifizierte seine Unternehmensgruppe vom Bergbau über die Stahlproduktion hin zum Handel. Zahlreiche Beteiligungen ging er ein, die den Namen Klöckner um die ganze Welt trugen – am bekanntesten durch den Motoren- und Anlagenbauer Klöckner-Humboldt-Deutz AG in Köln.

Familie Henle

Mit dem Namen Klöckner eng verbunden ist der von Dr. Günter Henle, der als Schwiegersohn in das Klöckner-Unternehmen 1937 eintrat, da er aus politischen Gründen seine bisherige Karriere im diplomatischen Dienst nicht mehr ausüben durfte. Das Ehrenmitglied der IHK hat sich in Duisburg an zahlreichen Stellen als Mäzen betätigt.