Hinweise zur Abschlussprüfung für Kaufleute für Versicherung und Finanzen - Fachrichtung Finanzberatung

Die Abschlussprüfung erstreckt sich auf die in der Verordnung über die Berufsausbildung (Anlage 2, Abschnitt I und III) aufgeführten Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten sowie auf den im Berufsschulunterricht zu vermittelnden Lerhstoff, soweit er für die Berufsausbildung wesentlich ist.


Die Prüfung besteht aus den folgenden Prüfungsbereichen:

  • Versicherungswirtschaft und Immobilienfinanzierung,
  • Wirtschafts- und Sozialkunde,
  • Kundenberatungsgespräch,
  • Fallbezogenes Fachgespräch.


1. Versicherungswirtschaft und Immobilienfinanzierung
    (schriftlicher Prüfungsbereich)

In höchstens 180 Minuten soll der Prüfling praxisbezogene Aufgaben oder Fälle bearbeiten und dabei zeigen, dass er die Bedarfssituation von Privatkunden analysieren und Lösungsvorschläge erarbeiten, Anträge prüfen, Angebote zur Immobilienfinanzierung erstellen, Verträge service- und bestandsorientiert bearbeiten, Kosten und Erträge von Versicherungsprodukten ermitteln sowie den betriebswirtschaftlichen Erfolg anhand von Kennziffern und Statistiken beurteilen kann. Hierfür kommen insbesondere folgende Gebiete in Betracht:

a)   Versicherungs- und Finanzprodukte,

b)   Vertragserhaltung und –service,

c)   Rechnungswesen und Controlling,

d)   Immobilienfinanzierung.


2. Wirtschafts- und Sozialkunde

    (schriftlicher Prüfungsbereich)

In höchstens 60 Minuten soll der Prüfling praxisbezogene Aufgaben oder Fälle bearbeiten und dabei zeigen, dass er wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge der Berufs- und Arbeitswelt darstellen kann.


3. Kundenberatungsgespräch
    (mündlicher Prüfungsbereich)

In einem Beratungsgespräch von höchstens 20 Minuten Dauer soll der Prüfling auf der Grundlage einer von zwei ihm zur Wahl gestellten Aufgaben zeigen, dass er Gespräche mit Kunden situationsbezogen vorbereiten, verkaufsorientiert führen und auf Kundenargumente angemessen reagieren kann. Bei der Aufgabenstellung sind die produktbezogenen betrieblichen Ausbildungsschwerpunkte des Auszubildenden zugrunde zu legen. Dem Prüfling ist nach der Wahl der Aufgabe eine Vorbereitungszeit von höchstens 15 Minuten einzuräumen.

Liste der zu vermittelnden Produkte:

  • Lebensversicherung
    (Kapitalbildende Lebensversicherung, Risikolebensversicherung, Private Rentenversicherung, Zusatzversicherung, Selbständige Berufsunfähigkeitsversicherung)

  • Unfallversicherung
    (Einzelunfallversicherung, Kinderunfallversicherung, Seniorenunfallversicherung)

  • Krankenversicherung
    (Krankheitskostenvollversicherung, Krankentagegeldversicherung, Krankenhaustagegeldversicherung, Zusatzversicherung, Pflegekostenversicherung, Pflegekostenzusatzversicherung)

  • Haftpflichtversicherung
    (Privathaftpflichtversicherung, Tierhalterhaftpflichtversicherung)

  • Rechtsschutzversicherung
    (Privat-, Berufs- und Verkehrsrechtsschutz für Nichtselbstständige, Verkehrsrechtsschutz)

  • Kraftfahrtversicherung
    (Kraftfahrthaftpflichtversicherung, Fahrzeugteil- und –vollversicherung, Verkehrssserviceversicherung)

  • Sachversicherung
    (Verbundene Hausratversicherung und Haushaltsglasversicherung, Verbundene Wohngebäudeversicherung)

  • Finanzprodukte
    (Kreditkarten, ec-Karten, Giro-, Festgeld-, Sparkonten, Onlinebanking, Investmentfonds, Wertpapiere, Konsumentenkredit)


4. Fallbezogenes Fachgespräch
   
(mündlicher Prüfungsbereich)

In einem Fachgespräch von höchstens 15 Minuten Dauer über eine selbständig durchgeführte betriebliche Fachaufgabe soll der Prüfling zeigen, dass er komplexe Aufgaben bearbeiten, seine Vorgehensweise begründen, Problemlösungen in der Praxis erarbeiten, Hintergründe und Schnittstellen erläutern und Ergebnisse bewerten kann.

Der Prüfling erstellt für jede der beiden Qualifikationseinheiten gem. der Verordnung über die Berufsausbildung § 4 Abs. 3 Nr. 2 und 3 einen höchstens dreiseitigen Report über die Durchführung einer betrieblichen Fachaufgabe als Grundlage für das Fachgespräch. Der Report soll eine Beschreibung der Aufgabenstellung, der Planungs- und Durchführungsphase sowie eine Auswertung beinhalten. Der Report wird nicht bewertet. Er ist der Kammer vor der Durchführung der Prüfung im Prüfungsbereich Fallbezogenes Fachgespräch zuzuleiten.

Der Ausbildende hat zu bestätigen, dass die Fachaufgabe von dem Prüfling im Betrieb selbstständig durchgeführt worden ist. Aus den beiden betrieblichen Aufgaben wählt der Prüfungsausschuss eine Aufgabe als Grundlage für das Fachgespräch aus. Gegenstand des Fallbezogenen Fachgespräches sind neben dieser betrieblichen Fachaufgabe auch die Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten der zugrunde liegenden Wahlqualifikationseinheit.

Qualifikationseinheiten (gem. Verordnung über die Berufsausbildung):

2.  Vertrieb von Finanzprodukten

Anlage in Wertpapieren

  • Kunden über Anlagestrategien beraten
  • Anlagemotive und Risikoprofile von Kunden ermitteln
  • Rechtsgrundlagen und betriebliche Regelungen beachten
  • Chancen und Risiken von Wertpapierarten bewerten
  • über die steuerliche Behandlung von Wertpapieren informieren
  • Wertpapieraufträge aufnehmen

Organisation der Vertriebseinheit

  • Aufgaben und Geschäftsziele darstellen
  • Marketingmaßnahmen entwickeln
  • Arbeitsabläufe planen
  • Voraussetzungen und Möglichkeiten einer selbstständigen Tätigkeit im Vertrieb darstellen
  • Grundlagen des Arbeits-, Sozial- und Tarifrechts bei der Erstellung von Arbeitsverträgen beachten

3.   Vertrieb von Produkten der betrieblichen Altersvorsorge

Kundenberatung

  • Analyse der Unterstützungsleistungen von Arbeitgebern durchführen
  • Versorgungsziele feststellen
  • Versorgungslücken ermitteln
  • Kunden über Durchführungswege beraten
  • rechtliche Vorschriften berücksichtigen

Angebot und Antrag

  • Angeboten entwickeln und erläutern
  • Beiträge ermitteln
  • Antragsdaten aufnehmen
  • über den Prozess der Antragbearbeitung informieren


Bestehensregelung

Die Abschlussprüfung ist dann bestanden, wenn durch den zuständigen Prüfungsausschuss in den folgenden Prüfungsbereichen mindestens ausreichende Leistungen (50 Punkte) festgestellt werden:

  • mindestens drei Prüfungsbereiche,
  • Gesamtergebnis.

Werden in einem Prüfungsbereich ungenügende Leistungen festgestellt, ist die Prüfung grundsätzlich nicht bestanden.


Ermittlung des Gesamtergebnisses

Zur Ermittlung des Gesamtergebnisses sind die einzelnen Prüfungsbereiche wie folgt zu gewichten:

  • Versicherungswirtschaft und Immobilienfinanzierung = 40 Prozent
  • Wirtschafts- und Sozialkunde = 10 Prozent
  • Kundenberatungsgespräch = 25 Prozent
  • Fallbezogenes Fachgespräch = 25 Prozent

Mündliche Ergänzungsprüfung

Kann die Abschlussprüfung aufgrund von bis zu zwei mangelhafter schriftlicher Prüfungsleistungen nicht bestanden werden, so ist auf Antrag des Prüflings oder nach Ermessen des Prüfungsausschusses in einem der mit mangelhaft bewerteten Prüfungsbereiche eine mündliche Ergänzungsprüfung von etwa 15 Minuten durchzuführen, wenn diese für das Bestehen der Prüfung den Ausschlag geben kann. Der Prüfungsbereich ist vom Prüfling zu bestimmen. Bei der Ermittlung der neuen Prüfungsleistung ist das bisherige Ergebnis aus dem schriftlichen Prüfungsbereich und die im Rahmen der Ergänzungsprüfung festgestellte mündliche Leistung im Verhältnis 2 : 1 zu gewichten.