Hinweise zur Abschlussprüfung für Industriekaufleute

Die Abschlussprüfung erstreckt sich auf die in der Verordnung über die Berufsausbildung in den Anlagen 1 und 2 aufgeführten Fertigkeiten und Kenntnissen sowie auf den im Berufsschulunterricht vermittelten Lehrstoff, soweit er für die Berufsausbildung wesentlich ist.

Die Abschlussprüfung besteht aus drei schriftlichen und einem mündlichen Prüfungsbereich:

1.  Geschäftsprozesse (schriftlicher Prüfungsbereich)

Im Prüfungsbereich "Geschäftsprozesse" soll der Prüfling in höchstens 180 Minuten auf Prozesse und komplexe Sachverhalte gerichtete Situationsaufgaben oder Fallbeispiele bearbeiten und dabei zeigen, dass er Geschäftsprozesse analysieren sowie Problemlösungen ergebnis- und kundenorientiert entwickeln kann. Dafür kommen insbesondere folgende Gebiete in Betracht:

  • Marketing und Absatz,
  • Beschaffung und Bevorratung,
  • Personal,
  • Leistungserstellung.


2.  Kaufmännische Steuerung und Kontrolle (schriftlicher Prüfungsbereich)

Im Prüfungsbereich "Kaufmännische Steuerung und Kontrolle" soll der Prüfling in höchstens 90 Minuten bis zu vier praxisbezogene Aufgaben aus dem Bereich Leistungsabrechnung unter Berücksichtigung des Controllings bearbeiten und dabei zeigen, dass er Kosten erfassen, die betrieblichen Geld- und Wertströme analysieren sowie betriebswirtschaftliche Schlussfolgerungen daraus ableiten kann.


3.  Wirtschafts- und Sozialkunde (schriftlicher Prüfungsbereich)

Im Prüfungsbereich "Wirtschafts- und Sozialkunde" soll der Prüfling in höchstens 60 Minuten praxisbezogene Aufgaben bearbeiten und dabei zeigen, dass er allgemeine wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge der Berufs- und Arbeitswelt darstellen und beurteilen kann.


4.  Einsatzgebiet (mündlicher Prüfungsteil)

Im Prüfungsbereich "Einsatzgebiet" soll der Prüfling in einer Präsentation und einem Fachgespräch über eine selbstständig durchgeführte Fachaufgabe in einem Einsatzgebiet zeigen, das er komplexe Aufgaben und ganzheitliche Geschäftsprozesse beherrscht und Problemlösungen in der Praxis erarbeiten kann. Die Fachaufgabe soll sich auf die Sachbearbeitung in einer Abteilung oder einem speziellen Geschäftsfeld beziehen. Für die spätere Bewertung werden ausschließlich die von dem Prüfling geleisteten und dokumentierten Arbeitsanteile und das Grundsachwissen des gewählten Einsatzgebietes herangezogen.

  • Die Beantragung der Fachaufgabe

Nach Ablauf der jeweils maßgeblichen Anmeldefrist hat der Prüfling die Gelegenheit, in einem festgelegten Zeitfenster und mit Hilfe eines Online-Portals, die Fachaufgabe anhand einer Kurzbeschreibung (Ich-Form) zu beantragen.

  • Die Genehmigung der Fachaufgabe

Vor der Durchführung der beantragten Fachaufgabe hat der zuständige Prüfungsausschuss diese zu genehmigen. Über die Entscheidung des Prüfungsausschusses wird der Prüfling und der/die verantwortliche Ausbilder(in)/Projektverantwortliche informiert. Ist die beantragte Fachaufge genehmigt worden, kann unmittelbar mit der Durchführung begonnen werden. Wird die Fachaufgabe abgelehnt, so erhält der Prüfling die Gelegenheit den Antrag nochmals zu überarbeiten. Wird eine Fachaufgabe als grundsätzlich ungeeignet eingestuft, ist eine komplett neue Aufgabe zu beantragen.

  • Der Report zur Fachaufgabe

Über die Durchführung der Fachaufgabe ist von den Auszubildenden ein fünfseitiger Report, nebst erläuternden Anlagen, als Basis für Präsentation und Fachgespräch zu erstellen. Der Report wird nicht bewertet und dient dem Prüfungsausschuss als Informationsgrundlage für Präsentation und Fachgespräch.

  • Präsentation und Fachgespräch

Für den mündlichen Prüfungsteil stehen dem Prüfling insgesamt 30 Minuten zur Verfügung. Davon sollen zwischen 10-15 Minuten auf die Präsentation entfallen. In der Präsentation soll der Prüfling auf Grundlage des Reports zeigen, dass er Sachverhalte, Abläufe und Ergebnisse der bearbeiteten Fachaufgabe erläutern und mit praxisüblichen Mitteln darstellen kann. In dem anschließenden Fachgespräch soll der Prüfling zeigen, dass er die dargestellte Fachaufgabe in Gesamtzusammenhänge einordnen, Hintergründe erläutern und Ergebnisse bewerten kann.


Bestehensregelung

Die Abschlussprüfung ist dann bestanden, wenn durch den Prüfungsausschuss in den folgenden Prüfungsbereichen mindestens ausreichende Leistungen (50 Punkte) festgestellt werden:

  • Geschäftsprozesse und mindestens ein weiterer schriftlicher Prüfungsbereich,
  • Einsatzgebiet,
  • Gesamtergebnis.

Werden in einem Prüfungsbereich ungenügende Leistungen festgestellt, ist die Prüfung grundsätzlich nicht bestanden!


Ermittlung des Gesamtergebnisses

Bei der Ermittlung des Gesamtergebnisses haben die einzelnen Prüfungsbereiche folgendes Gewicht:

  • Geschäftsprozesse = 40 Prozent
  • Kaufmännische Steuerung und Kontrolle = 20 Prozent
  • Wirtschafts- und Sozialkunde = 10 Prozent
  • Einsatzgebiet = 30 Prozent


Mündliche Ergänzungsprüfung

Kann die Abschlussprüfung aufgrund von bis zu zwei mangelhafter schriftlicher Prüfungsleistungen nicht bestanden werden, so ist auf Antrag des Prüflings oder nach Ermessen des Prüfungsausschusses in einem der mit mangelhaft bewerteten Prüfungsbereiche eine mündliche Ergänzungsprüfung von etwa 15 Minuten durchzuführen, wenn diese für das Bestehen der Prüfung den Ausschlag geben kann. Bei der Ermittlung der neuen Prüfungsleistung ist das bisherige Ergebnis aus dem schriftlichen Prüfungsbereich und die im Rahmen der Ergänzungsprüfung festgestellte mündliche Leistung im Verhältnis 2 : 1 zu gewichten.