Goldener Oktober: Konjunkturklima passt zur Jahreszeit

(18. Oktober 2017)  Die Unternehmen am Niederrhein zeigen sich im Herbst 2017 überwiegend zufrieden mit ihrer Geschäftslage. Damit hält der positive Trend aus dem Frühsommer an. Nur 6,6 Prozent der Unternehmen sind mit ihrer Geschäftslage nicht zufrieden. Auch den kommenden Monaten blicken die Unternehmen ungebrochen optimistisch entgegen. Diese Ergebnisse gehen aus der aktuellen Konjunkturumfrage der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer Duisburg-Wesel-Kleve hervor, an der sich 317 Unternehmen mit insgesamt rund 43.000 Beschäftigten beteiligt haben.

Die ausgesprochen gute Wirtschaftsentwicklung zu Beginn des Jahres setzt sich auch in der zweiten Jahreshälfte fort. Die Unternehmen bewerten sowohl ihre Geschäftslage als auch die zukünftige Entwicklung nahezu unverändert positiv. „Das sind gute Nachrichten für den Niederrhein“, so Ocke Hamann, Konjunkturexperte der Niederrheinischen IHK. Für uns besonders wichtig: Die Industrie, die sich 2016 noch verhalten zeigte, äußert sich nun zufrieden. Dies kommt auch im Konjunkturklimaindex zum Ausdruck, der Lage und Erwartungen zusammenfassend darstellt. Er verharrt auf dem Frühjahrsniveau: Mit weiterhin 124 Punkten liegt er spürbar über dem langjährigen Mittel von 112 Punkten. Ähnlich gut war die Stimmung zuletzt vor 6 Jahren.
Exporte wirken belebend
Lange Zeit war die Binnennachfrage die bestimmende Größe für den Aufschwung. Inzwischen kommen auch aus der Exportwirtschaft spürbar positive Impulse. So erwarten nun 27 Prozent der Unternehmen am Niederrhein eine Zunahme der Auslandsgeschäfte, nur 11 Prozent rechnen mit einem geringeren Auslandsabsatz. Besonders die Industrie setzt auf ein wachsendes Auslandsgeschäft. Jedes dritte Unternehmen berichtet von zunehmenden Auslandsaufträgen (36 Prozent), nur 6 Prozent von rückläufigen Auftragseingängen. Nur jedes Zehnte rechnet mit einem geringeren Auslandsabsatz. Besonders die Industrie setzt auf ein wachsendes Auslandsgeschäft. Jedes dritte Unternehmen erwartet zunehmende Auslandsaufträge.

Unternehmen besorgt über Freihandelsskepsis

Im Unterschied zur Frühjahrsumfrage der IHK empfinden die Unternehmen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen verstärkt als Risikofaktor für ihre weitere Entwicklung. 54 Prozent zeigen sich, gefragt nach diesem Risiko, besorgt. Das sind rund 10 Prozent mehr als bei der letzten IHK-Befragung. Die mit einem wachsenden Nationalismus einhergehende Freihandelsskepsis und eine auch in einigen europäischen Staaten erkennbare Tendenz, Grenzen durch neue bürokratische Hürden wieder aufzubauen, dürften hieran einen großen Anteil haben. „Der freie Waren- und Dienstleistungsverkehr ist für viele Unternehmen am Niederrhein schon immer gelebte Praxis und Voraussetzung beispielsweise für alle Geschäfte mit den Niederlanden“, so Hamann.

Fachkräftemangel gefährdet Wettbewerbsfähigkeit zunehmend

Der Fachkräftemangel ist inzwischen aus Sicht der Unternehmen eines der wirtschaftlichen Hauptrisiken. Mit 53 Prozent sieht mehr als jedes zweite Unternehmen hierin ein Risiko für die eigene Entwicklung. Besonders in der Industrie können offene Stellen häufig längerfristig nicht besetzt werden. „Der Wettlauf um die Nachwuchskräfte verschärft sich zusehends“, so Hamann. „Die Unternehmen wollen angesichts der guten Auftragslage Stellen aufbauen oder müssen ruhestandsbedingt Personal ersetzen, finden aber schwer geeignete Kräfte. Das hemmt Wachstumschancen und schränkt die Wettbewerbsfähigkeit ein.“ Sieben von zehn Unternehmen suchen Ersatz, da langjährige Mitarbeiter altersbedingt ausscheiden. Jeweils die Hälfte der Unternehmen gab zudem an, die Betriebstätigkeit aufgrund von fehlendem Personal einschränken zu müssen. Im Dienstleistungssektor, insbesondere in personalintensiven Branchen wie Verkehr und Logistik sowie im Gastgewerbe, macht sich der Fachkräftemangel auch in Form von steigenden Arbeitskosten bemerkbar.

Image der dualen Ausbildung stärken

Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, fordern drei von fünf Unternehmen, die Qualifikation der Schulabgänger zu verbessern. 41 Prozent der Befragten, sprechen sich dafür aus, das Image der dualen Ausbildung zu stärken, da beruflicher Erfolg zunehmend akademischen Laufbahnen zugeschrieben wird. Rund jedes dritte Unternehmen sieht die Städte und Gemeinden in der Pflicht, mit attraktiven Standortvoraussetzung die Rekrutierungsbemühungen zu unterstützen. In diesen Ergebnissen ist ein deutlicher Auftrag an die neuen Regierungen in Bund und Land zu erkennen, auch gemeinsam mit der Wirtschaft Lösungen zu finden, die die Wettbewerbsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandortes stärken.

Der aktuelle Konjunkturbericht Niederrhein steht als Download unter www.ihk-niederrhein.de/Konjunkturberichte zur Verfügung.