Die Geschichte der Niederrheinischen IHK

1797: In der 4 000 Einwohner zählenden Stadt Duisburg vertritt ein örtlicher „Handlungsvorstand“ als loser Zusammenschluss der Kaufmannschaft die gewerblichen Interessen gegenüber Stadt und Staat. Insbesondere gilt es, die Belange der im Entstehen begriffenen Textilindustrie zu wahren.


1812: Nachdem Napoleon weite Teile Nordwestdeutschlands dem französischen Staat einverleibt hat, wird auf Antrag der Weseler Kaufmannschaft durch kaiserliches Dekret vom 20. Dezember für das Handels- und Verkehrszentrum Wesel eine Handelskammer nach französischem Recht errichtet. Ihr wird der Bezirk des Arrondissements Cleve zur Betreuung zugewiesen. Zur Konstituierung kommt es infolge der 1813 hereinbrechenden kriegerischen Ereignisse nicht.


1816: Sitz eines preußischen Regierungsbezirks wird Kleve. Er bildet bis 1822 für den Raum der Kreise Kleve, Rees (mit Wesel), Dinslaken (mit Duisburg), Rheinberg (mit Moers), Geldern und Kempen eine eigenständige Verwaltungseinheit.

Der Beschluss des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm III. „zur Einführung einer Handels-Kammer für die Stadt Duisburg“ wurde am 24. Oktober 1831 öffentlich bekannt gemacht.

Der Beschluss des Preußenkönigs
Friedrich Wilhelm III. „zur Einführung
einer Handels-Kammer für die Stadt
Duisburg“ wurde am 24. Oktober 1831
öffentlich bekannt gemacht.


1831: Der preußische König Friedrich Wilhelm unterzeichnet am 18. September das Statut für die in der Stadt Duisburg zu errichtende Handelskammer. Die Kammer, deren Bezirk auf das damalige Gebiet der Stadt Duisburg beschränkt ist, soll aus sechs Mitgliedern bestehen, die ihren Vorsitzenden jährlich aus ihrer Mitte wählen. Erster Präsident wird der aus einer traditionsreichen Unternehmerfamilie stammende und in zahlreichen bedeutenden Unternehmen engagierte Fabrikant und Großhandelskaufmann Johann Jacob vom Rath.



1837: Nach jahrzehntelangem Bemühen um Anerkennung ihres Handlungsvorstandes durch den Staat unterzeichnen 96 Weseler Kaufleute erneut einen Antrag an die preußische Regierung auf Errichtung einer Handelskammer in ihrer damals mehr als 10 000 Einwohner zählenden Stadt.


1838:
Eine Kabinettsordre vom 5. März verfügt die Errichtung einer Handelskammer für Wesel. Wahlberechtigt sind die hier ansässigen 170 selbstständigen Kaufleute und Fabrikanten, die eine Gewerbesteuer von über zwölf Thaler zahlen.


1877: Den Wünschen der Wirtschaft entsprechend, wird am 1. Oktober der Kammerbezirk Wesel auf den gesamten Kreis Rees sowie auf einen Teil des Kreises Borken, unter Einschluss der Stadt Bocholt, ausgedehnt.


1897: Die Novelle zum Kammergesetz vom 19. August bringt eine grundlegende Änderung der Organisation und Aufgaben der Handelskammern, die hierdurch den Status einer juristischen Person erhalten. Außerdem werden Wahlsystem und Beitragsleistungen neu geregelt. Die Wirtschaft des Kreises Ruhrort (unter Einschluss von Hamborn, Dinslaken und Sterkrade) sowie eines Teils des Kreises Moers erhält am 22. November das Recht, eine eigene Kammer in Ruhrort zu errichten. Gründungspräsident wird der Generaldirektor der Hütte Phoenix, Geh. Kommerzienrat August Servaes.

Durch Ministerialerlass vom 30. November wird das Gebiet der Landkreise Kleve, Geldern und Moers – mit Ausnahme des zum Kammerbezirk Ruhrort gehörenden Teils – dem Handelskammerbezirk Krefeld zugeordnet. Eine Angliederung an die geografisch näher gelegene Kammer Wesel hatte die linksrheinische Wirtschaft wegen der schlechten Verkehrsverbindung zu der jenseits des Rheins gelegenen Stadt Wesel abgelehnt.


1906: Im Nachvollzug des kommunalen Zusammenschlusses der Hafenstädte Duisburg, Ruhrort und Meiderich schließen sich auch die beiden Kammern dieses Raumes zusammen. Die neue Kammer trägt den Namen „Handelskammer in Duisburg“ und hat ihren Sitz in Duisburg-Ruhrort. In ihr ist der gesamte Wirtschaftsraum des Ruhrmündungsgebietes mit Schifffahrt, Hüttenindustrie und Bergbau links und rechts des Rheins zusammengefasst.


1912 zog die Handelskammer in das ehemalige Kreishaus in Ruhrort.


1919: Am 23. April fällt die ministerielle Entscheidung für einen Zusammenschluss der Kammern Wesel und Duisburg. Die neue Kammer nennt sich „Niederrheinische Handelskammer Duisburg-Wesel“. Ihre gemeinsame Vollversammlung tritt zum ersten Mal am 7. August zusammen.


1923: Aufgrund einer ministeriellen Verordnung erhält die Kammer den Namen „Niederrheinische Industrie- und Handelskammer Duisburg-Wesel zu Duisburg“.


1924: Durch die Ruhrbesetzung sind die Verkehrs- und Nachrichtenverbindungen über den Rhein weitgehend unterbunden. Zur Betreuung der Wirtschaft des Kreises Moers wird von den Kammern Duisburg und Krefeld gemeinsam am 18. August eine Zweigstelle in Moers errichtet. Während in Wesel unverändert eine Kammerzweigstelle im alten Weseler Kammergebäude bleibt, erhält Kleve eine Kammerzweigstelle am 1. Oktober. Eine Kammerzweigstelle in Geldern gibt es seit Ende des Zweiten Weltkrieges (bis in die 80-er Jahre).


1929: Die bisherige kreisfreie Stadt Sterkrade wird nach Oberhausen eingemeindet und scheidet damit aus dem Kammerbezirk aus. Im Süden werden die aus dem Landkreis Düsseldorf nach Duisburg eingemeindeten Gebiete mit Huckingen und Großenbaum in den Kammerbezirk einbezogen.


1942: Durch die Verordnung des Reichswirtschaftsministers vom 20. April werden alle Industrie- und Handelskammern aufgelöst und in die neu gebildeten Gauwirtschaftskammern überführt. Der Wirtschaftskammer Duisburg werden innerhalb der Gauwirtschaftskammer Essen die Kreise Duisburg, Moers und Geldern zur Betreuung zugewiesen. Die Kreise Dinslaken, Rees und Kleve werden dagegen der Kammer Essen unmittelbar zugeordnet. Bocholt fällt an die Kammer Münster.


1945: Unmittelbar nach Kriegsende werden von den Industrie- und Handelskammern ortsnahe Wirtschaftsausschüsse beziehungsweise Beiräte auf freiwilliger Basis gebildet. Als erste wirtschaftliche Organisationen werden die IHKs von den Besatzungsmächten bald darauf wieder zugelassen. Die Niederrheinische IHK nimmt am 1. Juni offiziell ihre Arbeit wieder auf. Ihr Gebiet erstreckt sich wie früher auf den gesamten Wirtschaftsraum von Duisburg bis Emmerich, jedoch ohne den westfälischen Teil um Bocholt.

1953: Am 29. Juli bezieht die IHK ihr neues Gebäude gegenüber dem Duisburger Hauptbahnhof.

1956: Den Industrie- und Handelskammern wird durch das Bundesgesetz vom 18. Dezember der Status von Körperschaften öffentlichen Rechts bestätigt. Bundeseinheitlich wird die IHK-Zugehörigkeit auch der nicht im Handelsregister eingetragenen Unternehmen festgelegt, die damit das Recht erhalten, in der Vollversammlung der Kammer vertreten zu sein.


1977: Seit dem 1. April umfasst das Gebiet der Niederrheinischen IHK die Stadt Duisburg und die Kreise Kleve und Wesel in ihren seit 1975 gültigen Abgrenzungen.


2012: Die Niederrheinische IHK mit der Hauptgeschäftsstelle in Duisburg und den Zweigstellen (Service-Centern) in Wesel und Kleve zählt heute ca. 61.000 Mitgliedsunternehmen.