Bittere Pille für die Apotheke vor Ort

(12. Mai 2017)  Der Europäische Gerichtshof hat im letzten Jahr den Versandhandel mit rezeptpflichtigen Medikamenten neu geregelt – zu Lasten vieler deutscher Apotheker. Um dieses Ungleichgewicht bei den Wettbewerbsbedingungen zu minimieren, hat der Bundesgesundheitsminister eine Gesetzesinitiative zum Versandhandelsverbot mit sogenannten Rx-Arzneimitteln auf den Weg gebracht. Ingrid Fischbach, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, diskutierte gestern (11.05.) auf Einladung von acht nordrhein-westfälischen IHKs in den Räumen der Niederrheinischen IHK Duisburg-Wesel-Kleve mit Betroffenen.


Was regelt das Urteil? Versandapotheken mit Sitz im EU-Ausland können seit letztem Jahr beim Versand von Medikamenten nach Deutschland Rückzahlungen gewähren. Inländische Apotheken unterliegen weiter einem einheitlichen Abgabepreis, erläuterte Staatssekretärin Fischbach vor den rund 50 Teilnehmern. Dies sei eine Inländerdiskriminierung, die man so nicht akzeptieren will.


Das Bundesgesundheitsministerium sieht die Gefahr, dass durch das EuGH-Urteiles die Apotheken vor Ort dem wirtschaftlichen Druck nicht mehr standhalten könnten und aufgeben müssten. Dies hätte besonders für die Gesundheitsversorgung vieler älterer und chronisch kranker Menschen weitreichende negative Folgen. Auch Arzneimittelsicherheit und Verbraucherschutz würden bei einer sinkenden Apothekendichte – insbesondere im ländlichen Raum – auf der Strecke bleiben, warnte Fischbach.  

[Ingrid Fischbach, Klaus Mellis, Heinrich Meyer, Ulrich Schulte Herbrüggen und Andreas Heeke (v.l.n.r.) diskutierten mit Moderator Sascha Devigne (von hinten) beim gesundheitspolitischen Dialog in der IHK.

[Ingrid Fischbach, Klaus Mellis, Heinrich Meyer, Ulrich Schulte Herbrüggen und Andreas Heeke (v.l.n.r.) diskutierten mit Moderator Sascha Devigne (von hinten) beim gesundheitspolitischen Dialog in der IHK.

Foto: Niederrheinische IHK .]


In einer kontroversen Podiumsdiskussion stellte die Staatssekretärin mit Klaus Mellis (Apothekerverband Nordrhein e.V.), Heinrich Meyer (Bundesverband deutscher Versandapotheken), Ulrich Schulte Herbrüggen (Marien-Apotheke Duisburg) und Andreas Heeke (AOK Nordwest) das geplante Verbot auf den Prüfstand. In einem Punkt waren sich die Diskussionsteilnehmer einig: egal ob Versandapotheke oder Apotheke vor Ort – Die Spielregeln für alle Wettbewerber müssen gleich sein.  


Abschließend wagte die Staatssekretärin einen Blick in die Zukunft. Ihrer Auffassung nach werde sich die zukünftige Bundesregierung schnell wieder mit dem Versandhandelsverbot beschäftigen müssen. Sie sei zuversichtlich, dass man zeitnah nach den Bundestagswahlen zu tragfähigen Lösungen kommen werde.