Aktueller Konjunkturbericht der IHKs: Ruhrwirtschaft weiter auf Wachstumskurs / Doch Sorgen durch zunehmenden Kostendruck


(Duisburg) Im Ruhrgebiet geht es konjunkturell weiter aufwärts, begleitet von mehr Optimismus für die kommenden Monate. Das ist das Ergebnis des aktuellen Lageberichts der Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet zum Jahresbeginn. Zugrunde lag die Befragung von mehr als 900 Unternehmen mit über 130 000 Beschäftigten. Bei der Vorstellung des Berichts am Donnerstag, 6. Februar, bei der in diesem Jahr federführenden Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer in Duisburg betonte deren Präsident Burkhard Landers: „Von Euphorie ist aber keine Spur, vor allem wegen der ausufernden Energie- und Rohstoffpreise sowie der Arbeitskosten.“

Insgesamt bewertet jedes dritte Unternehmen seine aktuelle Situation als „gut“. Weitere 53 % sind immerhin „zufrieden“. Die Geschäftslage hat sich in der Industrie, im Handel und bei den Dienstleistungen verbessert. Hinsichtlich der Erwartungen zeigt sich, dass zum dritten Mal in Folge mehr Unternehmen optimistischer in die Zukunft blicken. Jedes vierte Unternehmen (26 %) ist zuversichtlich. Demgegenüber äußern sich 15 % der Unternehmen pessimistisch. Der IHK-Konjunkturklimaindex, der Lage und Erwartungen zusammenfassend widerspiegelt, legte zum dritten Mal in Folge zu und steht nach 112 Punkten im Herbst nun bei 115 Punkten.

Risiken durch wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen

Kritisch beobachten die Unternehmen die Weichenstellungen der großen Koalition in Berlin. Jedes zweite Unternehmen (49 %) sieht in Bezug auf die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen ein Risiko für die eigene wirtschaftliche Entwicklung. Ebenfalls 49 % der Befragten sehen sich von den steigenden Energie- und Rohstoffkosten bedroht. Immerhin entfallen rund 43 % des industriellen Energieverbrauchs in NRW und 17 % des bundesweiten Verbrauchs auf die Ruhrwirtschaft. Zu den größten Risiken zählen inzwischen 39 % der Befragten die Arbeitskosten, auch geschürt durch die geplante Einführung eines flächendeckenden Mindestlohnes und die Pläne zur Rentenreform.

Binnennachfrage gut gefestigt – Export weiter stark

Rund jedes vierte Industrieunternehmen (23 %) berichtet von vermehrten Inlandsaufträgen. Zum ersten Mal seit Jahresbeginn 2011 ist der Saldo zwischen Auftragswachstum und Auftragsrückgang aus dem Inland wieder positiv. Im Handel halten sich wachsende und sinkende Umsätze in etwa die Waage (34 zu 32 %). Zum vierten Mal in Folge blicken die Betriebe optimistischer auf das Auslandsgeschäft.

Erholung bei Erträgen – Impulse für Investitionen

In der Herbstumfrage 2013 berichteten noch 22 % der Betriebe von steigenden Erträgen, zu Jahresbeginn sind es 28 %. Der seit 2011 über alle Wirtschaftszweige hinweg zu beobachtende Ertragsrückgang konnte damit gestoppt werden. Vor diesem Hintergrund zeichnet sich eine Verbesserung bei der Investitionstätigkeit ab – im Inland und noch deutlicher im Ausland. Jedes vierte Unternehmen (23 %) beabsichtigt eine Erhöhung seiner Investitionstätigkeit im Inland (Herbst 2013: 21 %). Auf ausländischen Märkten wollen 25 % der Unternehmen investieren. Jeder dritte Betrieb will die Mittel für seine Investitionstätigkeit aufstocken. Dies ist der höchste Wert seit dem Start der Erfassung durch die Ruhr-IHKs zum Jahresbeginn 2009. Das produzierende Gewerbe zielt damit auch auf einen verbesserten Energie- und Rohstoffzugang ab (20 %).

Burkhard Landers, Präsident der Niederrheinischen IHK: „Es liegt nahe zu vermuten, dass ausländische Standorte attraktiver geworden sind. Unsere Umfrage zeigt auch, dass Industrieunternehmen vermehrt ihren Blick auf Märkte außerhalb der EU richten. Investitionen, wo immer sie stattfinden, bedingen Veränderungen für die Beschäftigung. Diese Entwicklung werden wir sorgfältig im Auge behalten.“

Beschäftigung: Noch Verharren auf hohem Niveau

Die Bereitschaft, die Belegschaft aufzustocken, hat seit Herbst in der Ruhrwirtschaft insgesamt von 20 auf 18 % abgenommen. Im Handel sinkt die Bereitschaft für Neueinstellungen von 18 auf 14 %. 16 % der Dienstleister gehen von einer schrumpfenden Personaldecke aus (Herbst: 13 %). In der Industrie stellen zwar wieder mehr Betriebe zusätzliche Kräfte ein (18 %; Herbst 14 %), aber gleichzeitig planen mehr (23 %), ihre Belegschaft zu reduzieren (Herbst: 19 %).

Landers: „Auch wenn wir zurzeit mit der Konjunktur zufrieden sein können, dürfen wir die tatsächlich vorhandene Probleme nicht ausblenden. So macht uns der Entwurf des Landesentwicklungsplanes wegen seiner restriktiven Flächenpolitik Sorgen und natürlich die Umsetzung des NRW-Klimaschutzplanes, dessen Maßnahmenkatalog weitere Einschränkungen für die Ruhrwirtschaft erwarten lässt. Wir hoffen, dass die Landesregierung hier deutlich nachbessert.“

 
Statement IHK-Präsident Burkhard Landers Ruhrlagebericht Frühjahr 6. Februar 2014.pdf (22,60 KB) 
 
Statement IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Stefan Dietzfelbinger - Ruhrlagebericht Frühjahr 6. Februar 2014.pdf (15,43 KB)

Ruhrlagebericht.pdf (1,87 MB)

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Der Konjunkturbericht zur Ruhrwirtschaft wird im Frühjahr und im Herbst gemeinsam erstellt von der IHK Mittleres Ruhrgebiet (Bochum), IHK zu Dortmund, IHK zu Essen, IHK Nord Westfalen (Emscher-Lippe-Raum, Gelsenkirchen) und der Niederrheinischen IHK (Duisburg), bei der in 2014 die Federführung liegt. Der Konjunkturbericht zum Jahresbeginn 2014 ist der inzwischen 92. gemeinsame Bericht zur Lage der Ruhrwirtschaft. Mehr Information über diese Kooperation hinaus unter www.ihks-im-ruhrgebiet.de.

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