60 Jahre IHK-Hauptgeschäftsgebäude




(29. Juli 2013)
Wer die Niederrheinische Industrie- und Handelskammer Duisburg-Wesel-Kleve an ihrem Hauptsitz besuchen will, hat es denkbar einfach: Markant steht sie einen Steinwurf entfernt vom Hauptbahnhof, per öffentlichem Personennah- und Fernverkehr ebenso gut zu erreichen wie mit dem Auto. Über 16.000 Besucher werden immerhin pro Jahr im Hauptgeschäftsgebäude, dem „Haus der Wirtschaft“, gezählt. Zu Beginn, nach der feierlichen Einweihung vor 60 Jahren, war es noch etwas beschaulicher. Ein Blick in die Geschichte.


Wer am Mittwoch, 29. Juli 1953, gegen 16 Uhr den Hauptbahnhof in Richtung Innenstadt verließ – es war ein angenehmer, warmer Sommertag –, war wahrscheinlich erstaunt über den Andrang vor dem großen Backsteingebäude an der Ecke Mercatorstraße/Friedrich-Wilhelm-Straße. Viel Prominenz aus Politik, Wirtschaft und öffentlichem Leben traf hier ein, eingeladen zur Einweihung des neu erbauten Hauptgeschäftsgebäudes der, so der Name damals, Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer Duisburg-Wesel zu Duisburg.


Festakt schlicht und würdevoll

„Schlicht und würdevoll, wie sich das neuerbaute Hauptgeschäftsgebäude (…) erhebt, vollzog sich der Festakt seiner Einweihung in dem mit Blatt- und Blumenschmuck versehenen großen Sitzungssaal“, hieß es in der IHK-Publikation „Wirtschaftliche Mitteilungen“ vom 15. August jenes Jahres. Präsident Erich Edgar Schulze begrüßte die Gäste, es erfolgte die feierliche Schlüsselübergabe an Hauptgeschäftsführer Dr. Hellmuth Herker. Oberbürgermeister August Seeling übermittelte den herzlichen Glückwunsch der Stadt Duisburg und betonte: „Durch Ihren Neubau haben Sie der Straße, die den Namen eines hochbedeutenden Forschers trägt, einen starken Akzent verliehen.“


Grüße des Landes überbrachte der Minister für Wirtschaft und Verkehr und stellvertretende Ministerpräsident, Dr. Artur Sträter. „Die Niederrheinische Industrie- und Handelskammer Duisburg-Wesel umfasst einen hochentwickelten Wirtschaftsbezirk, der in mancher Beziehung zu den vielgestaltigsten Wirtschaftsräumen unseres Landes zählt“, so der Minister, damals noch an die Anwesenden gerichtet mit den Worten „Sehr geehrte Herren!“. Die Verkehrswirtschaft in diesem Kammerbezirk habe, so Sträter weiter, eine Bedeutung wie in keinem anderen des Landes. Und hinsichtlich der Neubaueinweihung sprach er von einem „schönen und würdigen“ Gebäude. Und mehr noch: „Das Kammergebäude ist das Rathaus der Wirtschaft.“


Schon 1936 war Bau-Entscheidung getroffen

Die Geschichte des Gebäudes reicht allerdings viele Jahre zurück. Bereits 1936 wurde unter Präsident Dr. J. W. Welker der einmütige Beschluss gefasst, ein zeitgemäßes Gebäude zu errichten, nachdem der damalige Sitz in Ruhrort nicht mehr den Erfordernissen entsprach. Die Wahl fiel auf den Platz gegenüber dem Hauptbahnhof, vor allem aufgrund der guten Erreichbarkeit. Der Plan für das Gebäude wurde durch den ersten Preisträger eines öffentlich ausgeschriebenen Wettbewerbs, den Architekten Phil. W. Stang, Düsseldorf, ausgearbeitet.


Krieg und Kriegsfolgen verhinderten den Start. Erst 1951 wurden die Baupläne wieder hervorgeholt. Es wurden notwendige Anpassungen vorgenommen, und es galt, den am Baugrundstück noch im Krieg errichteten Luftschutzbunker, der übrigens viele Jahre später noch für Aufregung sorgen sollte, zu berücksichtigen. Am 15. Juni 1952 begann der Rohbau, in den ersten Juli-Tagen des folgenden Jahres konnte der Neubau bezogen werden.


Aus dem Baubericht des Architekten: „Um das Kammergebäude an der für Duisburg so städtebaulich wichtigen Stelle gegenüber dem Hauptbahnhof herauszustellen, wurde die Bauflucht des Hauptgebäudes gegenüber der Mercatorstraße in einer Breite von 32,50 m um 10,50 m zurückgenommen. Es entstand so ein geräumiger Vorplatz, der dem Kammergebäude als öffentliches Gebäude eine gewisse Repräsentation gibt. Dieser Platz wirkt sich auch verkehrstechnisch günstig aus, indem er die Übersicht beim Einbiegen vom Bahnhofsvorplatz in die Friedrich-Wilhelm-Straße verbessert.“ Der Architekt erwähnte noch die Absicht, auf der Ecke eine Hermessäule zu errichten. Dazu kam es letztlich nicht. Favorisiert wurde schließlich der heute dort noch stehende Brunnen mit dem goldenen Anker, errichtet 1956, eingeweiht am 18. September anlässlich des 125jährigen Bestehens der IHK.


In den folgenden Jahrzehnten erfolgten immer wieder Modernisierungen, zuletzt auch unter Berücksichtigung des geltenden Denkmalschutzes. Hierzu hieß es in einer Bewertung durch die Untere Denkmalbehörde Duisburg: „Aufgrund der deutlichen Anknüpfung an die gestalterischen Merkmale des Hauptbahnhofs bildet das Verwaltungsgebäude der IHK ein städtebauliches Ensemble mit diesem. Der Brunnen setzt eine bedeutsame Marke im Stadtgefüge. Für den Erhalt liegen somit städtebauliche Gründe vor.“


Umbau mit Einsturzgefahr in den 90er Jahren

Gleichwohl fanden im gegebenen Rahmen erhebliche  Veränderungen im Gebäude statt, und zwar Mitte der 90er Jahre. Mit dem Freiwerden eines Frisörgeschäftes auf der Ecke Mercator-/Friedrich-Wilhelm-Straße nahm die IHK den Umbau ihres Gebäudes im Erdgeschoss in Angriff. Das Ziel: die Einrichtung eines Service-Centers, das den immer mehr werdenden Besuchern optimale Voraussetzung für Beratungen bietet. Am 13. Dezember 1995 war es so weit: Nach nur fünf Monaten Umbau – und trotz Hiobsbotschaften infolge von Einsturzgefahr im Bereich des alten unterirdischen Luftschutzbunkers – präsentierte sich die IHK mit einem großzügigen Empfang und einem attraktiven Beratungsbereich, der auch für angehende Existenzgründer seither ständige Anlaufstelle ist. Folgerichtig wurde hier auch das vom Land initiierte Startercenter NRW Niederrhein eröffnet.


Heute haben im Hauptgeschäftsgebäude, zu dem auch das 1996 erworbene Haus 16-20 gehört, rund 100 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz. Sie kümmern sich um die Belange der Besucher, zu denen neben Gründungswilligen auch Unternehmerinnen und Unternehmer sowie deren Mitarbeiter zählen, wenn es um Unterstützung durch die IHK-Experten geht – ob in Außenwirtschaftsfragen, in Belangen des Handels oder um die vielen Facetten der Infrastruktur. Traditionell stark gefragt ist der Bereich Bildung, insbesondere in Bezug auf Ausbildung, zu der sich viele Unternehmen, aber auch Lehrstellensuchende mit der IHK in Verbindung setzen. Alles in allem zählt die IHK, die auch eine Zweigstelle in Wesel und in Kleve hat, allein in ihrem Duisburger „Haus der Wirtschaft“ über 16.000 Besucher im Jahr – Tendenz steigend, auch wegen der immer stärker nachgefragten Weiterbildungsangebote.

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Über die Niederrheinische IHK

Die Niederrheinische Industrie- und Handelskammer Duisburg-Wesel-Kleve, deren Geschichte bis ins Jahr 1831 mit der Gründung der Handelskammer in Duisburg zurückreicht, hat ihren Hauptsitz in Duisburg sowie je eine Zweigstelle in Wesel und Kleve. Der IHK-Bezirk mit Duisburg und den Kreisen Wesel und Kleve besteht seit 1977. Die IHK zählt rund 61.000 zugehörige Unternehmen, davon annähernd 20.000 in Duisburg. Mehr zur IHK und zur Geschichte unter www.ihk-niederrhein, „Wir über uns“.


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